Es ist Mitte Juli, man kauft wie immer Brot am Donnerstag – und am Samstag ist schon der erste Schimmelfleck da. Im Winter hält dasselbe Brot problemlos fünf oder sechs Tage. Was passiert da eigentlich?
Die Antwort ist nicht kompliziert, aber sie erklärt warum einfaches Weitermachen wie bisher im Sommer oft nicht reicht.
Wärme beschleunigt alles
Schimmelpilze sind lebende Organismen. Wie alle biologischen Prozesse laufen ihre Wachstums- und Vermehrungsprozesse bei höheren Temperaturen schneller ab. Zwischen 20 und 30 Grad – also genau dem Bereich, in dem viele Küchen im Sommer liegen – verdoppelt sich die Wachstumsgeschwindigkeit vieler Schimmelpilzarten im Vergleich zu kühleren Temperaturen.
Das bedeutet: Sporen, die auf dem Brot oder im Kasten vorhanden sind, entwickeln sich im August schlicht doppelt so schnell wie im Februar. Wer das weiß, ist weniger überrascht vom frühen Schimmelfleck – und kann besser gegensteuern.
Die unterschätzte Rolle der Luftfeuchtigkeit
Wärme allein wäre noch handhabbar. Das eigentliche Problem ist die Kombination aus Wärme und erhöhter Luftfeuchtigkeit, die im Sommer in vielen Küchen entsteht.
Kochen, Duschen, offene Fenster bei feuchtem Wetter – die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen steigt im Sommer deutlich an. Schimmelpilze brauchen für ihr Wachstum Feuchtigkeit: Ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 70 Prozent beginnen die meisten Arten zu gedeihen.
Ein Brotkasten, der in einer sommerlichen Küche steht, nimmt diese Feuchtigkeit auf – vor allem Holzkästen, die hygroskopisch sind, also Wasser aus der Luft absorbieren. Die Innenflächen werden leicht feucht, ohne dass man es sofort bemerkt.
Was im Sommer anders gemacht werden kann
Den Brotkasten kühl aufstellen. Nicht am Fenster in der Sonne, nicht neben dem Herd, nicht in der Ecke, die den ganzen Tag Wärme staut. Ein schattiger, gut belüfteter Platz macht einen messbaren Unterschied.
Kleinere Mengen kaufen. Im Sommer lieber alle zwei bis drei Tage frisches Brot holen, statt einen ganzen Laib zu lagern. Was nicht im Kasten liegt, kann auch nicht schimmeln.
Häufiger reinigen und Krümel entfernen. Der Reinigungsrhythmus, der im Winter gut funktioniert, reicht im Sommer oft nicht. Krümel öfter entfernen, den Kasten nach der Reinigung besonders sorgfältig trocknen.
Brot teilweise im Kühlschrank lagern. Das klingt im ersten Moment kontraintuitiv – Kühlschrank trocknet Brot aus – aber bei Temperaturen über 25 Grad in der Küche ist der Kühlschrank für schnell schimmelnde Brotsorten tatsächlich die bessere Option. Gut verpackt in einem Tuch oder einer Papiertüte hält Brot dort länger als im Brotkasten bei Sommerhitze.
Brot aus der Plastiktüte nehmen. Die Supermarkttüte hält Feuchtigkeit fest. Im Winter ist das oft kein Problem, im Sommer kann es den Schimmel deutlich begünstigen.
Wer einen Holzkasten hat, merkt es stärker
Holz reagiert auf Luftfeuchtigkeit – es nimmt sie auf und gibt sie wieder ab. Im Sommer bedeutet das, dass ein Holz-Brotkasten auch ohne direkten Wasserkontakt feuchter werden kann als im Rest des Jahres. Wer einen Holzkasten hat und im Sommer immer wieder Schimmelprobleme beobachtet, sollte den Kasten in dieser Zeit öfter leer stehen lassen und gut durchlüften.
Manche wechseln im Sommer ganz auf einen Metall- oder Edelstahlkasten, der weniger empfindlich auf Luftfeuchtigkeit reagiert.
Es liegt nicht nur am Brot
Manchmal denkt man, das Brot sei einfach schlechter geworden oder der Supermarkt habe die Qualität verändert. Oft ist es aber der Sommer, der denselben Effekt produziert. Wer das einmal verstanden hat, muss nicht mehr rätseln – sondern kann einfach seine Gewohnheiten für die warme Jahreszeit leicht anpassen.
